
Stoffwechselerkrankungen und Fruktan: Ein Risikofaktor für Pferde?
Stoffwechselerkrankungen und Fruktan: Ein Risikofaktor für Pferde? Stoffwechselerkrankungen bei Pferden nehmen stetig zu. Immer mehr
Einige Pferde haben das große Glück, über die Sommermonate den ganzen Tag lang auf einer großen Weide und in einer Herde leben zu können. Im besten Fall mit Hecken, Bäumen oder einem geräumigen Unterstand zum Unterstellen bei Regen oder praller Sonne, mit einer guten Gräserzusammensetzung, ein paar Hügeln, einer pferdegerechten Tränke und vielleicht noch ein paar Ecken mit anderen Untergründen.
Leider sind diese Anforderungen selten so perfekt gegeben und einige Pferdetypen kommen mit dieser Haltung einfach nicht zurecht. Die Gräser, die auf einer Weide heutzutage noch am meisten wachsen, sind durch die Landwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte immer noch für die Rinderhaltung gedacht. Viel Energie in Form von leichtverdaulichen Kohlenhydraten soll den Wachstums- oder die Milchleistung der Rinder noch mehr verstärken. Pferde brauchen allerdings eine rohfaser-, eiweiß- und mineralstoffreiche, aber zucker- und energiearme Gräser- und Kräuterzusammensetzung, um sich davon gesund ernähren zu können.
Gerade leichtfuttrigen, übergewichtigen oder auch stoffwechselerkrankten Pferden tun diese Hochleistungswiesen nicht gut.
Um auch bei unpassenden Gräserbeständen diesen empfindlichen Pferden eine
Zeit zusammen mit der Herde zu ermöglichen, gibt es nun einige Ansätze.
1. Das Tragen einer Futterbremse
2. Der Verzicht auf den Weidegang, aber trotzdem ein Leben in einer Gruppe voll Gleichgesinnter und genügend Platz in Form eines Aktivstalls oder Paddocktrails
3. Die Verkürzung der Weidezeit, um wenigstens ein stundenweises, uneingeschränktes Herdenleben auf der Koppel zu ermöglichen
Dazu einmal die Vor- und Nachteile vom begrenzten Weidegang
Vorteile:
– Kürzere Fressdauer
– Uneingeschränkte Kommunikation mit den Artgenossen (Mimik) – Freie Bewegung in der Herde
– Keine Verletzungsgefahr
– Aufwuchslänge prinzipiell egal – Keine Scheuerstellen oder Vermehrte Schneidezahnabnutzung
Nachteile:
– Tatsächlich mehr Grasaufnahme als erwartet – Oftmals hastigeres Fressen und Stress
– Weniger Sozialverhalten – Gefahr bei schlechtem Management an Hufrehe o. Ä. zu erkranken
Das Pferd kann sich mit seinen Herdenmitgliedern grundsätzlich natürlich verhalten – aber tut es das auch? Pferde lernen sehr schnell, wenn ihnen nur eine begrenzte Zeit zum Grasen zur Verfügung steht. Sie passen ihr Verhalten entsprechend an und versuchen, in möglichst kurzer Zeit viel Gras aufzunehmen.
Eine Studie der North Carolina State University zeigt, dass sich die Fressgeschwindigkeit deutlich erhöht, wenn die Weidezeit eingeschränkt wird. Entscheidend ist dabei die Aufnahme pro Stunde – nicht die Gesamtzeit auf der Weide.
Bei 24-stündigem Weidezugang fressen Pferde relativ entspannt. Ein 500-kg-Pferd nimmt im Durchschnitt etwa 0,3 kg Trockenmasse pro Stunde auf. In dieser Haltung wechseln sich Fressen, Dösen, Bewegung und soziale Interaktionen regelmäßig ab.
Wird die Weidezeit auf etwa neun Stunden begrenzt, steigt die Aufnahme bereits auf rund 0,5 bis 0,6 kg Trockenmasse pro Stunde. Pferde bleiben länger an einer Stelle, rupfen hastiger und reduzieren soziale Aktivitäten wie Fellpflege oder Spielen.
Bei nur drei Stunden Weidezeit kann die Aufnahme auf bis zu etwa 1 kg Trockenmasse pro Stunde ansteigen. Das Fressen wird deutlich intensiver und teilweise stressbedingt. Das Herdenleben tritt in den Hintergrund, und auch Bewegung findet in der kurzen Zeit häufig weniger statt.
Typische Veränderungen bei begrenzter Weidezeit:
• hastigeres Rupfen der Halme
• weniger gründliches Kauen
• längeres Verharren an einer Stelle
• reduzierte soziale Interaktionen
• höheres Stressniveau
Wichtig: Weniger Weidezeit bedeutet nicht automatisch weniger Grasaufnahme. Häufig passiert das Gegenteil – Pferde kompensieren die kurze Zeit durch deutlich schnelleres und intensiveres Fressen.
Bei freiem Zugang zu Grundfutter und ohne Stoffwechselerkrankungen die den Appetit lindern/steigern, fressen Pferde normalerweise um die 14 Stunden pro Tag und zwar in Etappen. Diese Fressperioden sind individuell für jedes Pferd und liegen ungefähr zwischen 30 und 120 Minuten. Dann hört es auf zu Fressen und widmet sich Ruhepausen oder dem Spiel mit Artgenossen und Ähnlichem.
In der oben erwähnten Studie wurde auch festgestellt, dass Pferde ihre Hauptgrasaufnahme in den ersten 4 Stunden mit einer Trockenmasseaufnahmerate von 67 % verzehren. Dennoch nehmen Pferde mit verkürzter Weidezeit mehr Futter auf, da sie weniger Pausen einlegen.
Ist der Gräserbestand sehr gut an die Bedürfnisse der Pferde angepasst, hochgewachsen und überständig, dann ist dem Risiko schon etwas entgegengewirkt. Es gibt allerdings Zeiten und Wetterzustände, an denen die Zuckerwerte in Form von Fruktan sehr hoch sind. Diese Zeiten sollten bei beschränktem Weidegang berücksichtigt werden. Bei Pferden, die abspecken sollen, vor erkrankt sind oder die empfindlich auf die Zuckermengen reagieren könnten, sollte genau überlegt werden, ob der Weidegang wirklich notwendig ist.
Während des Abspeckens, bei Behandlung einer Stoffwechselerkrankung oder auch für immer, ist eine Laufhaltung in einer Gruppe mit Pferden, die die gleichen Bedürfnisse haben und sehr wenig Gras von überständigen Portionsweiden oder auch nur Heu, Stroh und Äste als Grundfutter zur Verfügung haben, eine gute Alternative. So können die Pferde auch ohne Weidegang ein gesundes entspanntes Leben führen. Natürlich ist auch bei der Heufütterung hinsichtlich empfindlicher Pferde einiges zu beachten. Das lest ihr dann im nächsten Blogpost.
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