Fachbeitrag mit 52 Quellen, Stand 10. Oktober 2026
Fellwechsel beim Pferd im Herbst und Frühjahr
Zweimal im Jahr baut dein Pferd sein Fell um. Im Herbst wächst das Winterfell ein, im Frühjahr haart es wieder ab. Beides läuft weitgehend von selbst, und trotzdem werden für kaum ein Stallthema so viele Pulver und Faustregeln angeboten.
Dieser Beitrag sortiert, was die Forschung zum Fellwechsel tatsächlich weiß. Der Schwerpunkt liegt auf dem Herbst, das Frühjahr kommt dort vor, wo es sich unterscheidet. Die Fußnoten führen zu den Quellen am Ende, und wo die Datenlage dünn ist, steht das dabei.
Licht, Hormone und Kälte
Warum Pferde ihr Fell wechseln
Die Tageslänge gibt den Takt vor
Den Startschuss für den Fellwechsel gibt vor allem die Tageslänge. Lichtversuche kommen seit den 1970er-Jahren immer wieder zu diesem Ergebnis. In einem der ersten Versuche bekamen Ponystuten ab dem 13. November künstlich 16 Stunden Licht am Tag. Sie verloren ihr Winterfell schon nach 56 Tagen in Büscheln, Vergleichsstuten unter natürlicher Tageslänge erst nach 135 Tagen. Ein glattes Sommerfell hatten die Lichtstuten nach 146 Tagen, die anderen nach 205 Tagen1. Spätere Versuche mit jungen Stuten und mit Shetlandhengsten bestätigen das2, 3.
Wann das Fell wechselt, bestimmt also vor allem das Licht. Wie lang und dicht das Winterfell wird, hängt dagegen stark von Klima und Haltung ab, etwa von Stall und Decke4.
56 statt 135 Tage
So schnell verloren Ponystuten mit künstlich 16 Stunden Licht am Tag ihr Winterfell, verglichen mit Stuten unter natürlicher Tageslänge1.
Ein glattes Sommerfell hatten die Lichtstuten nach 146 Tagen, die anderen nach 205 Tagen.
Hormone übersetzen das Licht
Das Pferd nimmt über das Auge wahr, wie lang die Tage sind. Botenstoffe wie Melatonin aus der Zirbeldrüse und Prolaktin aus der Hirnanhangdrüse übersetzen diese Information in den Fellwechsel. Werden die Nächte länger, schüttet die Zirbeldrüse länger Melatonin aus, und der Prolaktinspiegel sinkt. So ist es bei vielen Säugetieren beschrieben, und beim Pferd passen die Versuche dazu. Im Frühjahr kehrt sich das um5.
Für Prolaktin gibt es Versuche am Pferd. Ponystuten, die mitten im Winter Prolaktin bekamen, begannen innerhalb von 14 Tagen abzuhaaren6. Andere Versuche fanden nur schwache oder sogar gegenläufige Effekte7, 8. Wie das Zusammenspiel im Einzelnen abläuft, ist beim Pferd noch nicht vollständig geklärt.
Kälte macht das Fell dicker, startet den Wechsel aber nicht
Die Temperatur beeinflusst vor allem, wie viel Fell wächst. Sieben Monate alte Junghengste, die bei durchschnittlich −5 °C aufgestallt waren, trugen ein 1,4- bis 2-mal so schweres Fell wie Junghengste in einem Stall mit 10 °C9. In einer polnischen Studie bekamen Pferde im kalten Stall längeres Winterfell, Ponys noch deutlicher als Großpferde. Im Frühjahr haarten sie außerdem rund 25 Tage früher ab, beginnend an der Schulter10. In einer Studie mit Shetlandhengsten war es umgekehrt, dort haarten die warm gehaltenen Tiere früher ab11. Wie die Temperatur den Zeitpunkt des Abhaarens beeinflusst, ist deshalb offen. Klar ist dagegen die Wirkung auf die Haarlänge. Die Shetlandhengste in einem Stall mit rund 13,6 °C hatten kürzere Deckhaare als Artgenossen draußen bei rund 5,6 °C11.
Wärme und Decke führen also zu kürzerem Fell. Den Wechsel selbst verhindern sie nicht. In einer Studie mit Stallpferden ließ sich das Sommerfell mit zusätzlichem Licht und Decke halten, wenn man einen Monat nach der Sommersonnenwende damit begann. Ab der Tagundnachtgleiche im September war das Winterfell so nicht mehr aufzuhalten5. Diese Studie entstand mit Beteiligung eines Herstellers von Lichtmasken, was die Autoren offenlegen.
Ursache und Wirkung
Licht startet den Wechsel, Kälte bestimmt die Dicke
TageslängeDas Pferd nimmt sie über das Auge wahr
Melatonin und Prolaktinübersetzen das Licht in den Fellwechsel5
bestimmt vor allemwann das Fell wechselt16 Stunden Kunstlicht ab November, Winterfell nach 56 statt 135 Tagen verloren1
Temperatur und HaltungKlima, Stall und Decke
HaarwachstumKalt aufgestallt wächst mehr Fell, warm und eingedeckt kürzeres9, 11
bestimmt vor allemwie lang und dicht es wirdbei −5 statt 10 °C ein 1,4- bis 2-mal so schweres Fell9
Den Wechsel selbst verhindern Wärme und Decke nicht. Ab der Tagundnachtgleiche im September war das Winterfell auch mit zusätzlichem Licht und Decke nicht mehr aufzuhalten5.
Offen ist, wie die Temperatur den Zeitpunkt des Abhaarens beeinflusst. Die Studien kommen zu gegenläufigen Ergebnissen10, 11.
Wann es in Mitteleuropa so weit ist
Ein festes Datum gibt es nicht. Eine gut dokumentierte Beobachtung aus einem ähnlichen Klima stammt aus Südostpolen, wo fünf Konik-Stuten das ganze Jahr draußen lebten. Ihr Winterfell wuchs vor allem im September ein, das kurze Sommerfell erschien vor allem im April und in der ersten Maihälfte. An Schulter, Rücken und Lende trugen die Stuten das Winterfell länger als an Brust und Bauch, an der Hinterhand am kürzesten12.
Als grobe Orientierung für Mitteleuropa gilt deshalb, dass das Winterfell im Spätsommer und Herbst einwächst und im Frühjahr abgehaart wird. In einer Lichtstudie begannen Stuten unter natürlicher Tageslänge Ende März abzuhaaren und hatten Anfang Juni ein glattes Fell1, bei den Konik-Stuten lag der Schwerpunkt im April und in der ersten Maihälfte12. Das sind allerdings kleine Grundlagen. Pferde mit Decke, Stall oder Schur weichen ab, und auch das Wetter verschiebt den Zeitpunkt.
Das Jahr im Fell
Die Tageslänge gibt den Takt, der Wechsel folgt ihr
SommerfellWinterfell16 h8 h20.3.22.9.21.7.
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Winterfell wächst einvor allem im September, beobachtet an fünf Konik-Stuten, die das ganze Jahr draußen lebten12
Sommerfell erscheintvor allem im April und in der ersten Maihälfte12
Abhaaren unter natürlicher Tageslängeab Ende März, glattes Fell Anfang Juni (Lichtstudie)1
TagundnachtgleichenAb der Tagundnachtgleiche im September war das Winterfell auch mit Licht und Decke nicht mehr aufzuhalten. Begonnen einen Monat nach der Sommersonnenwende (gestrichelt), ließ sich das Sommerfell so halten5
Tageslänge berechnet für 51 Grad Nord. Das sind allerdings kleine Grundlagen. Pferde mit Decke, Stall oder Schur weichen ab, und auch das Wetter verschiebt den Zeitpunkt.
Unterschiede zwischen Rassen und Typen
Kaltblüter und robuste Typen tragen schwereres und längeres Fell als Warmblüter13. Eine ältere Übersicht beschreibt bei ihnen außerdem mehr Schutzhaar, dickere Haut und gleichmäßiger verteiltes Unterhautfettzit. n. 4. Im Wärmebild gaben Kaltblüter und Ponys bei Kälte über Hals und Rumpf weniger Wärme ab als leichte Pferde und Warmblüter14. In einer norwegischen Winterstudie hielten sich kleine Kaltblüter bei 80 % der Beobachtungen freiwillig draußen auf, kleine Warmblüter nur bei 34 %15.
Ob sich der Fellwechsel bei alten, gesunden Pferden verändert, ist nicht eigens untersucht. Bei älteren Pferden gilt ein langes oder schlecht abgehaartes Fell aber als typisches Zeichen für PPID, die Hormonerkrankung, die im Stall meist Cushing heißt16. Mehr dazu weiter unten.
Rasse und Typ
Freiwillig draußen im norwegischen Winter
Kleine Kaltblüter80 %
Kleine Warmblüter34 %
Anteil der Beobachtungen, bei denen sich die Pferde freiwillig draußen aufhielten15.
Wärmedämmung
Was das Winterfell leistet
Ein Luftpolster aus aufgestellten Haaren
Ein dichtes, trockenes Winterfell ist eine wirksame Wärmedämmung. Je schwerer das Fell, desto kühler ist die Oberfläche des Pferdes, desto weniger Wärme geht also verloren13. Pferde mit schwererem Fell blieben in einer norwegischen Studie etwas häufiger freiwillig draußen15.
Bei Kälte stellt das Pferd seine Haare auf. Dadurch hält das Fell mehr Luft fest und dämmt besser4. Daraus lässt sich ableiten, dass ein plattgedrücktes oder verfilztes Fell weniger gut wärmt. Eine eigene Studie dazu gibt es nicht, der Schluss folgt aus dem Prinzip.
Nässe und Wind sind härter als Frost
Nasses Fell dämmt deutlich schlechter als trockenes, und im Regen führt das Wasser laufend Wärme ab. Laut mehreren Studien belastet kalter Regen mit Wind ein Pferd stärker als tiefe Temperatur allein4.
Besonders anschaulich ist eine Beobachtung an Islandpferden. Sie erlebten Temperaturen bis −30 °C und zitterten in der ganzen Zeit ein einziges Mal, und zwar bei +5 °C und Starkregenzit. n. 4. Auch in einer zweiten norwegischen Studie zitterten Pferde nur an milden Tagen mit Regen oder Schneeregen. Bei Niederschlag gingen sie häufiger in den Unterstand, und wenn es nass und windig wurde, wechselten sie vom unbeheizten in den beheizten Bereich15.
Für ein gesundes Pferd im Winterfell sind deshalb Tage mit Dauerregen und Wind wichtiger als klare Frostnächte. An solchen Tagen nutzen Pferde den Unterstand besonders häufig15.
bis −30 °C
Islandpferde erlebten tiefen Frost und zitterten dabei nicht.
+5 °C und Starkregen
Das einzige Mal, dass sie in der ganzen Zeit zittertenzit. n. 4.
Das Fett im Fell
Das Fett in der Fellschicht macht das Fell wasserabweisend. Eine Übersicht von 1994 warnt, dass zu viel Putzen und Waschen dieses Fett verringern und damit die Dämmung schwächen kann. Dieselbe Arbeit betont aber auch, dass ein sauberes Fell nötig ist, damit sich die Haare aufstellen können und das Wasser abperltzit. n. 4. Eine Messstudie dazu beim Pferd haben wir nicht gefunden.
Ein sauberes, nicht verfilztes Fell kann sich besser aufstellen. Bei Pferden, die im Winter viel draußen stehen, solltest du es trotzdem nicht übertreiben. Sehr gründliches Bürsten und vor allem Shampoo nehmen dem Fell einen Teil seines natürlichen Fetts.
Pflege
Putzen im Fellwechsel
Welche Bürste wofür gedacht ist
Lehrmaterial aus der Pferdeausbildung beschreibt die Aufgaben der Bürsten recht einheitlich17, 18.
StriegelEr löst Schmutz, Schlamm und altes Haar und ist damit im Fellwechsel das Werkzeug, mit dem du anfängst. Ein Gummistriegel lockert vor allem Schmutz und Schlamm. Im Frühjahr hilft zusätzlich eine Fellwechselklinge, das ausfallende Winterhaar herauszuholen17, 18. Striegel und Fellwechselklinge setzt du nur an Hals, Rumpf und Kruppe ein, nicht am Kopf, nicht an den Beinen und nicht über Knochenvorsprüngen. Auf geschorenem Fell braucht es die Klinge nicht. Ein Metallstriegel ist nur dafür da, die Kardätsche auszuklopfen.
WurzelbürsteDie harte Bürste trägt ab, was der Striegel gelöst hat. Mit kurzen, schnippenden Strichen entfernt sie Schmutz, Schuppen, getrockneten Schlamm und Schweiß17, 18.
FegerSo nennt man im Stall und im Handel eine mittelweiche Bürste mit langen Borsten. Sie streicht den gelösten Staub und die Haare vom Fell, bevor die Kardätsche zum Schluss den feinen Staub holt. Im klassischen Lehrmaterial taucht der Begriff nicht auf, dort übernimmt die Wurzelbürste diese Aufgabe.
KardätscheDie weiche Bürste für den feinen Staub. Sie bringt die natürlichen Öle ins Fell und sorgt für Glanz. Laut Lehrmaterial ist sie die einzige Bürste für den ganzen Körper17, 18. Am Kopf setzt du sie vorsichtig ein oder nimmst eine kleine weiche Gesichtsbürste.
Mähnenkamm und HufkratzerFür Mähne und Schweif nennt das Lehrmaterial einen Mähnenkamm, für die Hufe den Hufkratzer17.
Die klassische Reihenfolge
Erst lösen, dann abtragen, zum Schluss den feinen Staub
1. Striegel
löst Haare und Schmutz. Nur an Hals, Rumpf und Kruppe17, 18.
nimmt zum Schluss den feinen Staub mit, die einzige Bürste für den ganzen Körper17, 18.
Wie streng du dich daran hältst, richtest du nach den Reaktionen deines Pferdes19. Im Bild sind Bürsten aus dem Haas x Happie Bürsten-Set (Werbung, siehe unten).
Die klassische Reihenfolge beginnt mit dem Striegel, der Haare und Schmutz löst. Danach tragen Wurzelbürste oder Feger das Gelöste ab, zum Schluss nimmt die weiche Kardätsche den feinen Staub mit17, 18. Wie streng du dich daran hältst, richtest du nach den Reaktionen deines Pferdes19.
Was Putzen bewirkt und was nicht untersucht ist
Dass Putzen die Durchblutung fördert, steht in vielen Anleitungen, auch in amerikanischem Lehrmaterial18. Eine Messung der Hautdurchblutung beim Putzen haben wir für das Pferd nicht gefunden.
Untersucht ist dagegen, wie Pferde das Putzen erleben. Wurde sanft an ihren Lieblingsstellen geputzt, suchten sie mehr Kontakt. Eine starre Standardprozedur führte bei manchen Pferden zu Ausweichen. Herzfrequenz und Cortisol änderten sich in dieser Studie während der Sitzungen nicht19. In einer anderen Studie verschob sich die Herzratenvariabilität beim Putzen durch vertraute Menschen stärker in Richtung Entspannung als bei Fremden20. Es lohnt sich also, auf die Stellen zu achten, an denen dein Pferd gern geputzt wird.
Wurde sanft an ihren Lieblingsstellen geputzt, suchten sie mehr Kontakt.19
Herzfrequenz und Cortisol änderten sich in dieser Studie nicht. Bei vertrauten Menschen verschob sich die Herzratenvariabilität stärker in Richtung Entspannung20.
Putzen als tägliche Hautkontrolle
Beim Putzen fallen Krusten, kahle Stellen und Scheuerstellen früh auf. Läuse entdeckt man oft erst, wenn man das Haar scheitelt21.
Putzzeug kann Hautpilz von Pferd zu Pferd übertragen22. Bei einem Ausbruch von Regenfäule in Spanien vermuteten die Autoren gemeinsam genutzte Reitausrüstung als Übertragungsweg23. Jedes Pferd sollte deshalb sein eigenes Putzzeug haben, vor allem in großen Ställen.
Waschen im Herbst
Eine Studie speziell zum Waschen im Herbst gibt es nicht. Bekannt ist, dass nasses Fell schlechter dämmt und dass Waschen Fett aus dem Fell nehmen kann4. Im Herbst und Winter ist trockenes Putzen deshalb die naheliegende Wahl. Wenn du wäschst, lass dein Pferd vollständig trocknen, bevor es bei kühlem Wetter hinausgeht.
Fütterung
Füttern im Fellwechsel
Eiweiß und Spurenelemente nach Bedarf
Für ein gesundes Fell braucht dein Pferd genug hochwertiges Eiweiß und eine bedarfsgerechte Versorgung mit Spurenelementen wie Zink und Kupfer. Als Zeichen von Eiweißmangel nennt das MSD Veterinary Manual ein Fell von schlechter Qualität und schlechtes Hufwachstum24.
Als Richtwerte nennt das MSD Veterinary Manual nach den amerikanischen NRC-Empfehlungen für ein 500 kg schweres Pferd im Erhaltungsbedarf 630 g Rohprotein und 16,7 Mcal verdauliche Energie am Tag (umgerechnet rund 70 MJ). Bei Zink sind es rund 40 mg pro Kilogramm Futtertrockenmasse, bei Kupfer rund 100 mg am Tag in der Gesamtration. Fachleute stellen Rationen meist mit Zink zu Kupfer im Verhältnis 3:1 bis 4:1 zusammen. Sehr hohe Zinkmengen, etwa durch belastetes Futter, haben bei Pferden Kupfermangel ausgelöst25.
Methionin und Lysin sind essenzielle Aminosäuren und damit Bausteine von Eiweiß25. Sie kommen über eine Ration mit ausreichend hochwertigem Eiweiß. Dass Extragaben über den Bedarf hinaus den Fellwechsel beschleunigen, ist nicht belegt. Eine Suche in der Fachdatenbank PubMed ergab dazu keine einzige Pferdestudie.
630 gRohprotein am Tag
16,7 Mcalverdauliche Energie am Tag, rund 70 MJ
40 mgZink pro Kilogramm Futtertrockenmasse
100 mgKupfer am Tag in der Gesamtration
Richtwerte für ein 500 kg schweres Pferd im Erhaltungsbedarf nach den NRC-Empfehlungen, laut MSD Veterinary Manual25. Zink zu Kupfer meist im Verhältnis 3:1 bis 4:1.
Biotin
Biotin ist beim Pferd gut untersucht, allerdings für das Hufhorn. In einer Doppelblindstudie mit 42 Hengsten der Spanischen Hofreitschule verbesserten 20 mg Biotin am Tag die Hornqualität nach neun Monaten signifikant gegenüber Placebo. Schneller wuchs das Horn dabei nicht26. In einer Langzeitstudie verschlechterte sich die Hornqualität wieder, als die Gabe verringert oder abgesetzt wurde27.
Für das Fell ergab eine Suche in PubMed keine Studie. Dass Biotin das Fell glänzender macht oder den Fellwechsel beschleunigt, ist beim Pferd nicht belegt.
Leinöl und Omega-3-Fettsäuren
In einer Studie bekamen 30 Pferde 16 Wochen lang Leinöl, Leindotteröl oder Rapsöl. In allen Gruppen wurden Fellfarbe und Fellqualität besser, zwischen den Ölen gab es keinen Unterschied28. Eine Gruppe ganz ohne Öl fehlte allerdings. Ob das Öl die Ursache war, bleibt damit offen.
Belegt ist, dass die Omega-3-Fettsäuren aus solchen Ölen in der Haut ankommen29. Fischöl hob die Omega-3-Werte im Blut stärker als Leinsamen30.
Heu wärmt von innen
Unterhalb seiner Wohlfühltemperatur braucht ein Pferd für jedes Grad Kälte mehr Energie. Bei jungen Pferden waren es 1,3 % mehr Erhaltungsenergie pro Grad unter 0 °C9. Bei erwachsenen Quarter Horses waren es 2,5 % pro Grad unterhalb von −15 °Czit. n. 4.
Am besten deckst du diesen Mehrbedarf mit zusätzlichem Raufutter, denn bei der Fermentation im Dickdarm entsteht Wärme25. Raufutter erzeugt beim Fressen und Verdauen auch mehr Wärme als Kraftfutter, wahrscheinlich durch mehr Kauen und mehr Darmbewegung4. Für erwachsene Pferde in guter Kondition reicht bei Kälte meist gutes Heu zur freien Aufnahme. Kraftfutter braucht es vor allem dann, wenn das Heu schlecht ist oder wenn dein Pferd trotz Heu zur freien Aufnahme abnimmt, was bei älteren Pferden häufig vorkommt31, 40.
+1,3 %Erhaltungsenergie pro Grad unter 0 °C bei jungen Pferden9
+2,5 %pro Grad unterhalb von −15 °C bei erwachsenen Quarter Horseszit. n. 4
Wasser auch im Winter
Ein Pferd braucht mindestens 5 Liter Wasser pro 100 kg Körpergewicht am Tag, ein 500 kg schweres Pferd bei leichter Arbeit typischerweise 21 bis 29 Liter. Es sollte jederzeit freien Zugang zu sauberem Wasser haben25. Bei Shetlandponys war die Wasserversorgung im Winter möglicherweise sogar kritischer als im Sommer, weil das Gras dann kaum noch Wasser liefert32.
Eisfreie Tränken sind deshalb wichtig. Angewärmtes Wasser wurde in einer älteren Studie lieber getrunken als Wasser nahe dem Gefrierpunktzit. n. 4.
21 bis 29 Liter
Wasser am Tag braucht ein 500 kg schweres Pferd bei leichter Arbeit typischerweise25.
Mindestens 5 Liter pro 100 kg Körpergewicht, mit freiem Zugang zu sauberem Wasser.
Kälteschutz
Eindecken und Scheren
Wie kälteempfindlich Pferde sind
Die Forschung beschreibt die Wohlfühlzone eines Pferdes über die untere kritische Temperatur. Darunter muss es zusätzlich Energie aufwenden, um sich warm zu halten. Dieser Wert ist nicht fest. Er hängt von Alter, Rasse, Gewöhnung, Fell, Fütterung und Körperkondition ab4.
Untere kritische Temperatur
Wo Pferde anfangen, Energie zum Heizen zu brauchen
+5 °CSommerfell−8 °CWinterfell
−20−15−10−50+5+10+15
Schwellen im Decken-CheckWohlfühlzone wintergewöhnter Quarter-Horse-Wallache, +10 bis −15 °Czit. n. 4
Traber, an 15 bis 20 °C gewöhntzit. n. 4rund +5 °C
Pferde im gemäßigten Klima (Zusammenfassung)25rund +5 °C
Kalt gehaltene Absetzer33wahrscheinlich −9 bis −16 °C
Kältegewohnte Jährlinge mit Futter zur freien Aufnahmezit. n. 4−11 °C
Kälteangepasste Pferde in Nordkanada (Zusammenfassung)25rund −15 °C
Wind und NässeAn einem regnerischen Tag mit +6 °C und Wind von 14 m/s wollten alle Pferde eine Decke36, 4.
Früher SchutzAlte, magere oder kranke Pferde, Fohlen und Pferde, die gerade aus einem warmen Stall kommen4.
Wintergewöhnte Quarter-Horse-Wallache hatten eine Wohlfühlzone von +10 bis −15 °Czit. n. 4. Ein gesundes, kältegewohntes Pferd mit Winterfell kommt also mit Temperaturen deutlich unter null ohne Zusatzaufwand zurecht. Das gilt für gesunde, gut genährte Pferde bei trockenem Wetter. Alte, magere oder kranke Pferde, Fohlen und Pferde, die gerade aus einem warmen Stall kommen, brauchen früher Schutz4. Pferde, die an Wärme gewöhnt sind, brauchen schon bei rund +5 °C mehr Energie zum Heizen.
Der Decken-Check auf happieanimals.com orientiert sich an diesen Werten. Für ein Pferd im Sommerfell rechnet er ab +5 °C, für ein Pferd im Winterfell ab −8 °C mit zusätzlichem Wärmebedarf und bezieht ein, ob das Pferd geschoren ist, wie alt und gut genährt es ist und wie Wind und Nässe sind. Die +5 °C entsprechen dem Wert aus der Forschung für wärmegewohnte Pferde. Die −8 °C sind eine eigene Näherung und liegen etwas wärmer als die Werte, die für kältegewohnte Pferde gemessen wurden. Der Decken-Check gibt dir eine Orientierung, die Entscheidung triffst du mit Blick auf dein Pferd.
In einer australischen Umfrage glaubten 42,8 % der Halterinnen und Halter, dass Pferde ohne Decke frieren34. Als Pauschalaussage stimmt das nicht. Bei Regen und Wind sieht es allerdings anders aus, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Was Pferde selbst wählen
In Norwegen haben Forschende Pferden beigebracht, ihre Wahl selbst anzuzeigen. Alle 23 Pferde lernten, per Symbol „Decke an“, „Decke aus“ oder „keine Änderung“ zu wählen. Bei schönem Wetter wollten sie keine Decke, bei nassem, windigem und kaltem Wetter wollten sie eine35.
In der Folgestudie wurde zwischen +23 und −16 °C getestet, mit Wind bis 14 m/s und Starkregen. Unter −10 °C wollten die Pferde in 80 bis 90 % der Tests eine Decke, über 20 °C keine. An einem regnerischen Tag mit +6 °C und Wind von 14 m/s wollten alle Pferde eine Decke. Bei +10 °C baten nur 5 % der Pferde ohne Decke um eine, und 34 % der eingedeckten Pferde wollten ihre Decke behalten36, 4. Hinweise, dass die Decke als unangenehm empfunden wurde, gab es nicht4.
Die Studien stammen von einer Arbeitsgruppe und wurden mit norwegischen Pferden gemischter Rassen gemacht. Sie sind trotzdem besonders aufschlussreich, weil hier die Pferde selbst entschieden haben.
Die Pferde entscheiden
Wann Pferde selbst eine Decke wählten
Unter −10 °C, Pferde wollten eine Decke80 bis 90 %
Regen, +6 °C, Wind 14 m/s, Pferde wollten eine Deckealle
+10 °C, Pferde ohne Decke baten um eine5 %
+10 °C, eingedeckte Pferde wollten sie behalten34 %
Über 20 °C, Pferde wollten eine Deckekeine
23 norwegische Pferde gemischter Rassen zeigten ihre Wahl per Symbol an35, 36, 4.
Was eine Decke bringt
Bei −23 °C und einem gefühlten Wert von −32 °C lag die per Wärmebild gemessene Oberflächentemperatur an der Lende nach einer Stunde draußen ohne Decke bei 22,3 °C. Mit einer ungefütterten Decke waren es 26,8 °C, mit 200 g Füllung 30,3 °C und mit 400 g Füllung 31,5 °C37. Untersucht wurden allerdings nur vier Pferde, und gemessen wurde die Oberflächentemperatur, nicht die gesamte Wärmebilanz.
Ein unbeheizter Unterstand senkt den klimabedingten Energiebedarf in einer Modellrechnung um 20 %, eine Decke draußen um 18 %zit. n. 4. Der Unterstand hat einen Vorteil, denn das Pferd entscheidet selbst, wann es ihn nutzt. Eine Decke kann über längere Zeit Druckstellen verursachen und in der Sonne die Kühlung behindern4.
Gesunde, gut genährte Pferde, die an das Draußensein gewöhnt sind, ein intaktes Winterfell und einen Unterstand haben und genug Heu bekommen, brauchen meist keine Decke. Bei Regen und Wind kann eine Decke eine sinnvolle Ergänzung sein4.
Wärmebild
Oberflächentemperatur an der Lende nach einer Stunde bei −23 °C
Ohne Decke22,3 °C
Ungefütterte Decke26,8 °C
Decke mit 200 g Füllung30,3 °C
Decke mit 400 g Füllung31,5 °C
Skala ab 15 °C. Untersucht wurden nur vier Pferde, gemessen wurde die Oberflächentemperatur, nicht die gesamte Wärmebilanz37.
Schur, Schweiß und Trocknen
Wie verbreitet das Scheren ist, zeigt eine skandinavische Umfrage. In Schweden scheren 67 % der Befragten, in Norwegen 35 %. Decken auf der Weide nutzen 91 % beziehungsweise 84 %38. In einer deutschen Befragung deckten über 90 % derer, die scheren, ihr Pferd Tag und Nacht einzit. n. 4. Die Autoren der norwegischen Übersicht sehen im hohen Anteil geschorener Pferde eher Mode als echten Bedarf4.
Ob ein Pferd geschoren werden sollte, hängt von Arbeit, Fell, Haltung und Wetter ab4. In einer kleinen schwedischen Studie arbeiteten drei Pferde rund 50 Minuten bei −1,1 bis −8,7 °C. Ungeschoren überhitzten sie. Sie atmeten schneller, im Maximum 77 statt 49 Atemzüge pro Minute, ihre Körpertemperatur blieb in der Erholung erhöht, und ihr Fell war nach der Arbeit feucht. Bei den geschorenen Pferden fiel die Hauttemperatur an den Beinen anfangs auf bis zu 17,5 °C und stieg nach rund 30 Minuten durch die Muskelwärme wieder an. Eine Ausreit- oder Nierendecke beim Reiten dämpfte diese Schwankung39. Schwitzen kann zwei Drittel der Wärmelast abführen, berichtet sind mehr als 10 Liter Schweiß pro Stunde4.
Wer ein Pferd mit vollem Winterfell regelmäßig fordert, muss also mit langem Trocknen rechnen. Die Schur erleichtert die Wärmeabgabe bei der Arbeit. Ein geschorenes Pferd hat an den geschorenen Stellen aber seinen Kälteschutz verloren. Außerhalb der Arbeit braucht es eine Decke, die zur Schur und zum Wetter passt, auch im Stall. Scheren solltest du nur, wenn du täglich ein- und ausdecken kannst4, 39.
Wie verschwitzte Pferde im Winter nach dem Training am besten versorgt werden, ist wissenschaftlich noch kaum untersucht4. Bewährt hat sich, ein verschwitztes Pferd trocken zu führen oder unter einer Abschwitzdecke trocknen zu lassen, bevor es nach draußen oder unter die Winterdecke kommt. Das ist eine Praxisregel, keine Studie.
Hilfreich ist es, die Ruhewerte deines Pferdes zu kennen. Wenn du Puls, Atmung und Temperatur in der Gesundheitsakte der Happie App festhältst, kannst du nach der Arbeit besser einschätzen, wann dein Pferd wieder bei seinen gewohnten Werten angekommen ist.
PPID, im Stall meist Cushing
Wenn der Fellwechsel nicht klappt
Dieser Abschnitt ist Fachinformation über eine Erkrankung. Er hilft dir, Zeichen zu erkennen, ersetzt aber keine Untersuchung.
Typische Zeichen von PPID
PPID steht für Pituitary Pars Intermedia Dysfunction, im Stall meist Cushing genannt. Ein langes Fell, das nicht abgehaart wird, ist ihr klassisches Zeichen. Fachleute nennen das Hypertrichose40, früher war der Begriff Hirsutismus üblich41. Laut der britischen Leitlinie begründen ein auffällig langes Fell oder ein verzögerter beziehungsweise unvollständiger Fellwechsel einen hohen klinischen Verdacht auf PPID16.
Die Leitlinie der Equine Endocrinology Group unterscheidet frühe und fortgeschrittene Zeichen. Früh fallen eher regional lange Haare oder ein verzögerter Fellwechsel auf, fortgeschritten ist das Fell am ganzen Körper zu lang. Genannt werden außerdem stehengebliebene Deckhaare, ein fleckiger Fellwechsel und Farbveränderungen im Fell. Zu den weiteren frühen Zeichen zählen etwas Muskelverlust an der Oberlinie, Mattigkeit oder eine Wesensänderung, nachlassende Leistung und verändertes Schwitzen. Im fortgeschrittenen Stadium kommen ein Hängebauch, viel Trinken und Harnen sowie wiederkehrende Infektionen hinzu40. Viele Pferde mit PPID haben zusätzlich zu viel Insulin im Blut und damit ein höheres Risiko für Hufrehe40, 16. Pferde im Übergang zu PPID zeigen oft nur subtile Zeichen42.
Wenn ein älteres Pferd im Frühjahr nicht richtig abhaart, an einzelnen Stellen lange Haare behält oder sich sein Fellwechselmuster verändert, ist das ein Grund, mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt über PPID zu sprechen.
Wie häufig PPID ist
Etwa jedes fünfte Pferd über 15 Jahre ist betroffen, über 30 Jahre sind es rund 30 %40. Die britische Leitlinie nennt 21 bis 27 % bei Equiden ab 15 Jahren. Bei Pferden unter 10 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit gering16.
21 bis 27 %bei Equiden ab 15 Jahren laut britischer Leitlinie16
Was im Körper passiert
Bei PPID gehen mit dem Alter langsam Nervenzellen im Hypothalamus zugrunde, die Dopamin bilden. Der Zwischenlappen der Hirnanhangdrüse bildet dann zu viel ACTH und verwandte Botenstoffe40.
Das lange Fell erklärt sich über den Haarzyklus. Jedes Haar durchläuft eine Wachstumsphase (Anagen) und eine Ruhephase (Telogen). In einer Studie mit Hautproben waren bei PPID-Pferden mit zu langem Fell am Hals 96 % der Haarfollikel in der Wachstumsphase, bei gesunden älteren Pferden 15 %. Nach sechs Monaten Behandlung unterschieden sich die PPID-Pferde nicht mehr von den gesunden, und alle haarten besser ab43. Die Studie umfasste acht erkrankte und vier gesunde Pferde, und die Werte der gesunden Pferde schwankten stark mit dem Zeitpunkt. Normwerte lassen sich daraus nicht ableiten.
Haarzyklus
Haarfollikel in der Wachstumsphase, Hautprobe vom Hals
PPID-Pferde mit zu langem Fell96 %
Gesunde ältere Pferde15 %
Acht erkrankte und vier gesunde Pferde. Normwerte lassen sich daraus nicht ableiten43.
Warum der Herbst ein guter Testzeitpunkt ist
Im Herbst steigt der ACTH-Wert auch bei gesunden Pferden natürlicherweise an44. In einer Auswertung von 75.892 Pferden schwankten die passenden Grenzwerte von Mitte Juni bis Anfang Dezember und waren Ende September und Anfang Oktober am höchsten45. Labore und Tierärzte arbeiten deshalb mit Grenzwerten, die zum Monat passen40.
Mit dem richtigen Grenzwert ist der Herbst sogar ein besonders aussagekräftiger Testzeitpunkt. In einer Studie lagen Sensitivität und Spezifität im Herbst nahe 100 %46, die britische Leitlinie nennt für den Herbst eine Genauigkeit von 88 bis 92 % gegenüber 70 bis 86 % im Rest des Jahres16. Den sogenannten TRH-Stimulationstest kann man im Herbst dagegen schlecht deuten, weil viele gesunde Pferde dann übersteigert reagieren40.
Auch die Rasse spielt eine Rolle. Shetlandponys hatten im Herbst 2,67-fach höhere ACTH-Werte als Vollblüter, im Frühjahr gab es keinen Unterschied47. Araber und Esel können in jeder Jahreszeit höhere Werte haben, Welsh- und Shetlandponys oft nur im Herbst40.
Laut Leitlinie wird nur getestet, wenn ein Pferd klinische Zeichen zeigt. Bei der Blutabnahme sollte das Pferd ruhig sein und nicht innerhalb von 30 Minuten nach einem Transport beprobt werden. Kontrollen finden am besten jedes Jahr in derselben Jahreszeit statt40. Die Einordnung des Ergebnisses übernimmt deine Tierärztin oder dein Tierarzt.
PPID ist nicht heilbar, lässt sich aber meist gut behandeln, in der Regel lebenslang. Die Behandlung verordnet die Tierärztin oder der Tierarzt, dazu gehören eine passende Fütterung und die allgemeine Gesundheitsvorsorge40, 16. Für Nahrungsergänzungsmittel bei PPID fehlen laut Leitlinie wissenschaftliche Belege40. Mönchspfeffer wirkt laut britischer Leitlinie nicht auf ACTH und bringt zusätzlich zur medikamentösen Behandlung keinen Nutzen16. Ob ein Pferd mit PPID geschoren werden sollte, regeln die Leitlinien nicht direkt. Das ist eine Frage für deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
Frühe Zeichen werden leicht übersehen. Hilfreich ist deshalb eine einfache Gewohnheit. Fotografiere im Frühjahr und im Herbst immer dieselben Stellen, etwa Schulter und Hals, und bewahre die Bilder mit Datum auf, zum Beispiel im Symptom-Tagebuch der Happie App. So hast du beim nächsten Termin Vergleichsbilder für deine Tierärztin oder deinen Tierarzt. Ob eine Veränderung auf PPID hindeutet, beurteilt sie oder er. Für Pferde mit PPID-Diagnose gibt es in der App das Cushing-Tagebuch. Dort notierst du, was dir am Fellwechsel, beim Schwitzen und an der Mattigkeit auffällt, und die Termine für die ACTH-Kontrolle.
Haut
Hautprobleme in der Übergangszeit
Vier Hautprobleme hängen eng mit Fell, Nässe oder Winter zusammen. Bei allen gehören Diagnose und Behandlung in tierärztliche Hände.
Regenfäule
Regenfäule (Dermatophilose) ist eine bakterielle Hauterkrankung, ausgelöst durch Dermatophilus congolensis. Begünstigt wird sie durch langanhaltende Nässe, hohe Luftfeuchte, Hautparasiten und kleine Hautverletzungen. Typisch sind Haarbüschel, die in dicken Krusten stecken. Bei langem Winterfell sind die Veränderungen ausgedehnter48. Achte auf Stellen, die lange nass bleiben, auch an den Fesseln und an weißen Beinen. Menschen können sich anstecken, trag deshalb Handschuhe und wasch dir danach die Hände48.
Mauke
Mauke ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Reaktionsmuster der Haut mit vielen möglichen Ursachen49, 50. Belegt ist, dass Pferde mit Fesselbehang, kräftigem Röhrbein und unpigmentierten Beinen häufiger betroffen sind, ebenso die Hinterbeine. Chorioptes-Milben spielen oft eine Rolle. Der Einfluss von Regen und Feuchte ist dagegen weniger klar, als viele glauben49. Vor der Behandlung sollte deshalb die Ursache geklärt werden50.
Läuse
Läuse haben im Winter und frühen Frühjahr Hochsaison, weil sie sich im langen Fell gut vermehren. Typisch sind Juckreiz, gereizte Haut und ein ungepflegtes Aussehen21. Bei Islandpferden mit Läusen war fokaler Haarausfall das häufigste Zeichen, Veränderungen an Kopf, Hals und Mähne deuteten auf Läuse hin51. Wenn dein Pferd sich an Hals und Mähne scheuert oder kahle Stellen hat, scheitel das Fell und schau genau hin. Bei einem Verdacht frag deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
Hautpilz
Hautpilz (Dermatophytose) wird beim Pferd vor allem durch Trichophyton equinum und Trichophyton mentagrophytes verursacht. Er wird direkt sowie über Putzzeug und Sattelzeug übertragen, betroffen sind meist Sattel- und Gurtlage. Erkrankte Pferde sollten getrennt werden, und Decken werden zweimal gewaschen22. Auch Menschen können sich anstecken52. Trag beim Umgang Handschuhe.
Faktencheck
Verbreitete Annahmen im Faktencheck
Annahme
„Fellwechsel-Pulver beschleunigt den Fellwechsel“
Nicht belegt.
In PubMed haben wir dazu keine Pferdestudie gefunden (Stand 10.10.2026). Den Zeitpunkt steuern Licht und Hormone. Bei einem echten Mangel an Eiweiß oder Zink kann es das Fell verbessern, den Mangel auszugleichen. Das ist aber etwas anderes als ein schnellerer Wechsel.
Decke, Wärme und Stall machen das Fell kürzer, den Wechsel steuert aber das Licht. Ab der Tagundnachtgleiche im September ließ sich das Winterfell auch mit Licht und Decke nicht mehr aufhalten.
Lange Tage bringen den Fellwechsel nach vorn, aber nur mit dem richtigen Zeitpunkt. Die Studien zu Lichtmasken entstanden mit Beteiligung eines Herstellers, was die Autoren offenlegen.
„Pferde frieren wie wir und brauchen deshalb eine Decke“
Als Pauschalaussage falsch.
Gesunde, kältegewohnte Pferde haben eine breite Wohlfühlzone bis weit unter null. Alte, magere oder kranke Pferde brauchen früher Schutz, und bei Regen und Wind wollen Pferde tatsächlich eine Decke.
Zittern trat in Studien vor allem bei milden Temperaturen mit Regen auf, nicht bei Frost. Zittert ein Pferd, obwohl es trocken ist und vor Wind geschützt steht, können Fieber oder Schmerzen dahinterstecken.
Der Wert steigt im Herbst auch bei gesunden Pferden. Deshalb gelten Grenzwerte je Monat, und manche Rassen wie Shetland- und Welshponys (im Herbst), Araber und Esel liegen höher.
Dieser Beitrag und die Happie App ersetzen keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Wir haben die Angaben sorgfältig anhand der genannten Quellen geprüft, Stand 10. Oktober 2026.
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