Saisonkalender · Mythbuster

Fruktan, ESC + Stärke: Was in welchen Jahreszeiten wirklich zählt

Was Pferdemagazine seit 20 Jahren falsch erzählen — und woran du im Jahresverlauf stattdessen schaust, um dein Pferd durch alle Saisons sicher zu bringen.

📖 Lesezeit ca. 15 Min 🔬 Mit verlinkten Studien 🐎 Frühling · Sommer · Herbst · Winter
Auf einen Blick

Seit 20 Jahren warnen Magazine vor Fruktan. Die neuere Forschung zeigt etwas anderes: Bei stoffwechselgefährdeten Pferden sind nicht die Fruktane, sondern die einfachen Zucker (ESC) und die Stärke der eigentliche Auslöser. Sie werden im Dünndarm aufgenommen und lösen eine Insulin-Reaktion aus — und Insulin ist der echte Hufrehe-Trigger (Asplin et al. 2007, Gauff et al. 2013). Der wichtigste Marker ist nicht Fruktan, sondern die 8-Grad-Regel: Bleibt die Tagesmittel-Temperatur unter etwa 8 °C, speichert die Pflanze Energie als Zucker — und das gilt nicht nur im Frühjahr. Auch im Herbst, in Trockenperioden im Sommer und bei Frost-Aufwuchs im Winter.

Inhaltsverzeichnis
  1. Zwei verschiedene Wege ins Unglück
  2. Warum die berühmten Inulin-Studien irreführend sind
  3. Die 8-Grad-Regel — dein wichtigster Marker
  4. Der Saisonkalender: Wann das Risiko hoch ist
  5. Anweide-Strategie nach Pferdetyp
  6. ⭐ Ist heute ein sicherer Weidetag?
  7. Was bei der Heu-Untersuchung wirklich zählt
  8. Vom einmaligen Check zum täglichen Begleiter
  9. Häufige Fragen
  10. Quellen

Grundlagen Zwei verschiedene Wege ins Unglück

Wenn ein Pferd nach dem Anweiden lahm wird, redet man oft pauschal von „Weide-Hufrehe". Aus heutiger Sicht sind das aber zwei sehr unterschiedliche Mechanismen — und nur einer davon hat tatsächlich mit Fruktan zu tun.

Weg 1: Fruktan → Dickdarm → Endotoxin-Schock (selten)

Fruktan ist ein Speicher-Kohlenhydrat der Pflanze. Das Pferd kann es nicht im Dünndarm verdauen — es landet im Dickdarm und wird dort von Bakterien fermentiert. Bei extrem hohen Mengen auf einmal kann das die Bakterien-Flora kippen, Endotoxine treten in den Blutkreislauf — und es kommt zur klassischen Vergiftungs-Hufrehe. Das ist der Weg, den die experimentellen Studien mit Magensonden-Bolus zeigen (van Eps & Pollitt 2006). In der Realität auf der Wiese kommt das jedoch selten so vor.

Weg 2: Einfachzucker + Stärke → Dünndarm → Insulin (häufig)

Die einfachen Zucker (in der Heu-Analyse als ESC = ethanol-lösliche Kohlenhydrate angegeben) und die Stärke aus dem Gras werden dagegen schon im Dünndarm aufgenommen. Sie lösen eine schnelle Insulin-Antwort aus. Bei stoffwechselgesunden Pferden ist das kein Problem — bei Pferden mit Insulindysregulation (EMS, PPID) bleibt der Insulinspiegel jedoch dauerhaft erhöht, und genau das schädigt die Lamellen im Huf (Asplin et al. 2007, de Laat et al. 2010, Gauff et al. 2013). Das ist die endokrine Hufrehe — und sie ist mit Abstand die häufigste Form: In einer finnischen Klinikkohorte machten endokrinopathische Fälle 89 % aller Hufrehe-Patienten aus (Karikoski et al. 2011).

Fruktan

  • Wird im Dickdarm fermentiert, nicht im Dünndarm
  • Löst keine direkte Insulin-Antwort aus
  • Nur bei extremer Bolus-Aufnahme problematisch
  • Langzeit-Speicher der Pflanze
  • Tageszeitliche Spitze: später Nachmittag

ESC + Stärke

  • Werden im Dünndarm aufgenommen
  • Lösen direkte Insulin-Antwort aus
  • Echter Treiber endokriner Hufrehe
  • Kurzzeit-Speicher der Pflanze
  • Tageszeitliche Spitze: morgens nach kalten Nächten

Warum Fruktan und ESC fast immer gemeinsam hoch sind

Auch wenn die zwei Zucker-Formen unterschiedliche Verdauungswege haben — sie kommen aus derselben Quelle. Das Gras macht tagsüber durch Photosynthese Zucker aus Sonnenlicht. Was damit passiert, hängt davon ab, ob die Pflanze gerade wächst:

Wachstum läuft (Tagesmittel deutlich über 8 °C): Die Pflanze verbraucht den Zucker direkt für Zellteilung, Wurzeln und Blattmasse. ESC und Fruktan bleiben beide niedrig.

Wachstum gestoppt (kalte Nacht, Frost, Trockenstress): Die Photosynthese läuft tagsüber trotzdem — aber der Zucker kann nicht verbraucht werden. Die Pflanze legt jetzt beide Speicher gleichzeitig an: einfache Zucker als schnellen Kurzzeit-Speicher (ESC), und Fruktose-Polymere als langsameren Langzeit-Speicher (Fruktan). Das eine geht nicht ohne das andere.

Wichtig zu verstehen

Fruktan und ESC sind keine Konkurrenten — sie sind Zwillingssignale derselben Stress-Lage.

Wenn auf der Heu-Analyse Fruktan hoch ist, ist ESC fast immer auch hoch. Wenn morgens nach Frost die ESC-Werte im Gras Spitze haben, ist Fruktan vom Vortag akkumuliert. Wenn nachmittags an Sonnentagen Fruktan-Spitzen entstehen, läuft die ESC-Produktion gerade auf vollen Touren. Die tageszeitlichen Spitzen sind leicht versetzt — die Gefahr ist es nicht. Daher gilt: Fruktan-Werte sind nicht „irrelevant", sondern ein indirektes Warnsignal dafür, unter welchem Stress die Pflanze stand. Für die gezielte Heu-Auswahl misst man trotzdem ESC + Stärke — weil das der Wert ist, der die Insulin-Antwort tatsächlich auslöst.

Studien-Realität Warum die berühmten Inulin-Studien irreführend sind

Die Fruktan-Theorie der Hufrehe geht auf experimentelle Studien aus den 2000er Jahren zurück. Van Eps und Pollitt verabreichten 2006 Ponys über eine Magensonde Inulin (ein Fruktan aus der Zichorienwurzel) — und zwar in Mengen von 5 bis 12,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht in einem einzigen Schluck. Bei 7,5 g/kg entwickelten alle Tiere Hufrehe (van Eps & Pollitt 2006).

Das Problem mit dieser Übertragung in die Praxis: Auf der Weide nimmt ein Pferd diese Menge in keiner realistischen Situation auf. Selbst auf fruktanreichen Wiesen kommt ein Pferd über den ganzen Tag verteilt auf etwa 1 bis 2 kg Fruktan — und nicht in einem einzigen Schluck per Magensonde, sondern über viele Stunden, im Wechsel mit Wasser-Pausen und Bewegung. Diese moderierenden Effekte fehlen im Experiment komplett.

„In Experimenten, in denen Insulin-Werte gemessen wurden, gab es keinen signifikanten Anstieg von Insulin oder Cortisol — trotz des enormen Fruktan-Bolus und der resultierenden Hufrehe. Das Problem ist nicht das Fruktan im Gras. Das Problem ist das Insulin im Pferd."

— Gustafson, ECIR Group, NO Laminitis! Conference 2015 (Konferenz-Material, ecirhorse.org)

Eine wichtige Konsequenz: Produkte, die mit „Fruktan-Bindung" oder „Hops-Extrakt gegen Pasture-Laminitis" werben, zielen auf den seltenen Weg 1. Für die häufigere endokrine Insulin-Hufrehe sind sie wirkungslos.

Praktische Faustregel Die 8-Grad-Regel — dein wichtigster Marker im Jahresverlauf

Wenn Fruktan nicht der Schlüssel ist — worauf solltest du dann achten? Auf die Temperatur. Genauer: auf die Tagesmittel-Temperatur. Diese Regel gilt nicht nur im Frühjahr, sondern in jeder Wachstums-Stress-Phase des Jahres.

Gras beginnt erst bei einer Tagesmittel-Temperatur von etwa 5 bis 8 °C zu wachsen. Solange diese Schwelle nicht überschritten ist, betreibt die Pflanze zwar tagsüber Photosynthese und produziert Zucker — aber sie verbraucht ihn nicht durch Wachstum. Der Zucker wird gespeichert. Im Gras steigt der Gehalt an einfachen Zuckern (ESC) und Stärke.

Sobald die Tagesmittel-Temperatur dauerhaft über 8 °C liegt, wächst das Gras — und der gespeicherte Zucker wird in Pflanzenmasse umgewandelt. Die ESC-Werte sinken wieder. Die gefährlichste Kombination ist daher: ein sonniger Tag, der viel Photosynthese erzeugt, gefolgt von einer kalten Nacht unter 5 °C, in der kein Wachstum stattfindet. Am Morgen darauf ist der Zuckergehalt im Gras am höchsten — und genau dann darf das stoffwechselgefährdete Pferd nicht auf die Weide.

Wichtige Korrektur — bitte merken

Der Fruktan-Höchststand ist NICHT am Morgen.

Über Jahre hat sich die Faustregel „Pferde nur morgens auf die Weide" verbreitet. Diese Regel verwechselt zwei Dinge: Der Fruktan-Höchststand liegt am späten Nachmittag eines sonnigen Tages — das ist richtig. Was morgens nach einer kalten Nacht hoch ist, sind dagegen die einfachen Zucker (ESC) und die Stärke — und genau die sind für die endokrine Hufrehe relevant. „Morgens grasen sicher" gilt also nur nach warmen Nächten. Nach Frost gibt es kein sicheres Morgenfenster.

Ganzjährig Der Saisonkalender: Wann das Risiko hoch ist

Die 8-Grad-Regel beschreibt einen Mechanismus — und der greift in jeder Phase, in der das Graswachstum ausgebremst ist. Das passiert in jeder Jahreszeit aus anderen Gründen. Wer nur auf das Frühjahr achtet, übersieht die anderen drei Risiko-Fenster.

🌱

Frühling

Februar bis Mai
Hauptrisiko

Kalte Nächte unter 5 °C plus sonnige Tage — die klassische 8-Grad-Lage.

Mechanismus

Photosynthese läuft tagsüber, Wachstum aber gestoppt. ESC und Fruktan akkumulieren beide. Die erste Anweide-Phase ist die kritischste des Jahres.

Worauf achten

Nach Frostnächten kein Weidegang. Heuanalyse mit ESC + Stärke. Bei Risiko-Pferden konsequente Maulkorb- oder Heu-Strategie.

☀️

Sommer

Juni bis August
Hauptrisiko

Hitze und Trockenheit — oft unterschätzt. Eine ausgedörrte Weide ist nicht „abgegrast", sondern gestresst.

Mechanismus

Trockenstress stoppt das Wachstum genauso effektiv wie Kälte. Die gleichen Speicher-Zucker bauen sich auf. Längere Sonnenphasen ohne Regen sind kritisch.

Worauf achten

In Trockenperioden auf vermeintlich „kurzen" Weiden besonders aufpassen — die kurzen Halme sind oft zuckerreicher als langes, wachsendes Gras.

🍂

Herbst

September bis November
Hauptrisiko

Die zweite große Hufrehe-Saison — und sie wird massiv unterschätzt. Wieder kalte Nächte plus sonnige Tage, plus saisonal erhöhtes ACTH bei PPID-Pferden.

Mechanismus

Wie im Frühjahr — kein Wachstum, aber Photosynthese läuft. Bei PPID-Pferden zusätzlich physiologische ACTH-Spitze ab August, mit erhöhter Insulin-Empfindlichkeit. Pergolid-Dosis prüfen lassen.

Worauf achten

„Die Weide ist doch schon abgegrast" ist trügerisch. Nach Frostnächten gilt im Herbst dasselbe wie im Frühjahr. Bei PPID jetzt besonders auf ACTH-Wert achten.

❄️

Winter

Dezember bis Februar
Hauptrisiko

Auf der Weide: stehender Frost-Aufwuchs — die gefährlichste Gras-Form überhaupt. Im Stall: zuckerreiches Heu aus gestressten Wiesen.

Mechanismus

Frostgras hat über Wochen Zucker akkumuliert, ohne ihn jemals zu verbrauchen. Heu aus späten oder dürre-betroffenen Schnitten kann hohe ESC-Werte tragen — auch wenn es äußerlich „nur Heu" ist.

Worauf achten

Heu-Analyse mit ESC + Stärke und Mineralien ist der wichtigste Hebel der Saison. Bei Frost keine Restweide für Risiko-Pferde.

Die Kernaussage: Nicht die Saison entscheidet, sondern ob das Gras gerade wächst oder speichert. Genau das berechnet das Werkzeug weiter unten — und das Premium-Weidemanagement in der App das ganze Jahr über automatisch.

Drei Wege Die richtige Anweide-Strategie nach Pferdetyp

Die folgende Strategie gilt vor allem für die erste Anweide-Phase im Frühjahr. Die Grundprinzipien — Pferdetyp einschätzen, Witterung beachten, langsam steigern — gelten aber das ganze Jahr. Im Zweifel zuerst die Blutwerte beim Tierarzt klären.

Gesundes Pferd
Langsam, aber unkompliziert

Beginne mit etwa 15 Minuten Weidezeit am Tag, am besten nach einer Heu-Ration — nicht mit hungrigem Magen auf die Weide. Über zwei bis drei Wochen täglich um 10 bis 15 Minuten steigern. Beim gesunden Pferd geht es weniger um Hufrehe-Risiko als um die Vermeidung von Verdauungs-Problemen wie Koliken — der Darm braucht Zeit, sich an die zucker- und eiweißreichere Frühjahrs-Kost zu gewöhnen. Nach warmen Nächten morgens problemlos, nach Frost lieber später am Tag.

Übergewichtiges Pferd ohne Diagnose
Vorsicht, aber kein Verbot

Auch wenn (noch) keine EMS-Diagnose vorliegt, ist erhöhtes Gewicht ein Risiko-Faktor. Starte mit maximal 10 bis 15 Minuten, bevorzugt nach milder Nacht, nicht direkt nach Sonnentag mit Frost. Steigerung sehr langsam — eher über vier bis sechs Wochen, nicht über zwei. Heu vorher anbieten — ein satter Magen reguliert die Zucker-Aufnahme. Mit dem Tierarzt klären, ob ein Insulin-Test sinnvoll wäre, bevor du die Weidezeit deutlich ausweitest.

EMS, PPID oder Hufrehe-Vorgeschichte
Strikt nach Tageswerten

Hier darf nicht nach Bauchgefühl entschieden werden. Keine Weide nach Frostnächten. Bei sonnigen Tagen und kühlen Nächten unter 5 °C: kein Weidegang. Stattdessen Heu mit untersuchten Werten unter 10 % ESC + Stärke füttern, eventuell wässern. Wenn Weidegang möglich ist, dann nur in kontrollierten Fenstern: spätvormittags nach milder Nacht und bedecktem Wetter, maximal 30 bis 60 Minuten, eventuell mit Maulkorb. Die Entscheidung fällt täglich neu.

Wenn du einen konkreten Tag-für-Tag-Anweide-Plan mit Steigerungs-Schritten und typischen Fehlerquellen brauchst: Auf unserem Angrasen-Rechner findest du eine ausführliche Planungs-Hilfe — passend ergänzend zum Tages-Risikocheck unten.

⭐ Werkzeug Ist heute ein sicherer Weidetag?

Beantworte fünf kurze Fragen und du bekommst eine Tagesempfehlung. Die Logik unten ist eine vereinfachte Vorschau dessen, was das Weidemanagement in der Happie Horse App automatisch und mit echten Wetterdaten täglich für dich berechnet.

Schnell-Check · fünf Fragen

Wie sicher ist die Weide heute für dein Pferd?

Beantworte die Fragen — das Ergebnis erscheint automatisch unten.

Frage 1

Wie kalt war es heute Nacht?

+3 °C
Frage 2

Wie ist das Wetter heute?

Frage 3

Wie war die Witterung der letzten Wochen?

Frage 4

Wie warm ist es jetzt?

+10 °C
Frage 5

Welcher Pferdetyp passt zu deinem Pferd?

Heu-Analyse Was bei der Heu-Untersuchung wirklich zählt

Wer ein stoffwechselgefährdetes Pferd füttert, liest oft den Rat: „Heu mit weniger als 10 % NSC suchen." Das ist nach heutigem Stand zu ungenau. NSC umfasst alle nicht-strukturellen Kohlenhydrate, also auch Fruktan — und das ist, wie oben gezeigt, für die Insulin-Antwort kaum relevant.

Der bessere Zielwert ist ESC plus Stärke unter etwa 10 %. In über 90 % der durchschnittlichen Heu-Proben in Mitteleuropa ist dieser Wert ohnehin erfüllt — ohne dass man auf Qualität verzichten muss (Gustafson 2015). Du musst also kein „spezial-mageres" Heu suchen, sondern eines mit anständigem Nährwert und niedrigen Zucker-/Stärke-Anteilen. Zur Heu-Analyse lohnen sich Labore wie LUFA (Deutschland) oder Equi-Analytical (international).

Was zusätzlich auf den Bericht gehört: Magnesium, Zink, Kupfer, Selen. Diese Mineralien wirken direkt auf die Insulin-Empfindlichkeit. Eine Heu-Analyse ohne Mineralien ist nur die halbe Information.

Im Alltag Vom einmaligen Check zum täglichen Begleiter

Das Werkzeug oben zeigt dir das Risiko für heute. Die Anweide-Saison dauert aber Wochen — und das Wetter ändert sich jeden Tag. Genau dafür gibt es das Weidemanagement in Happie Horse Premium: Du gibst einmal deinen Stall an, und ab dann läuft die Berechnung jeden Morgen automatisch.

Was das Premium-Weidemanagement leistet

  • Tägliches Fruktan-, ESC- und Wetter-Risiko automatisch — keine Slider, keine Eingabe
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  • Empfehlung für Weidezeit und Dauer — angepasst an deinen Pferdetyp
  • Regionale Risiko-Karte — siehst du auch im Vergleich zur Umgebung
  • Pollen-Belastung im selben Werkzeug — wichtig bei atemwegsempfindlichen Pferden
  • Verlauf über die ganze Saison — du siehst, an welchen Tagen das Risiko hoch war

Was du in der Free-Version schon nutzt

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Häufige Fragen Was Pferdebesitzer:innen zur Anweide-Saison fragen

Ist Fruktan wirklich nicht gefährlich?

Fruktan ist nicht harmlos — aber unter realistischen Weide-Bedingungen ist es selten der Auslöser einer Hufrehe. Die experimentell beobachtete Endotoxin-Hufrehe erfordert eine Bolus-Aufnahme von mehreren Kilogramm in kurzer Zeit. Im Weide-Alltag erreicht ein Pferd diese Menge nicht, weil es Wasser-Pausen einlegt, sich bewegt und langsam frisst. Was im Alltag echte Wirkung hat, sind die einfachen Zucker und die Stärke — sie lösen die Insulin-Reaktion aus.

Was bedeutet die 8-Grad-Regel genau?

Sie beschreibt eine pflanzenphysiologische Faustregel: Gras wächst erst ab einer Tagesmittel-Temperatur von etwa 5 bis 8 °C. Solange diese Schwelle nicht überschritten ist, produziert die Pflanze tagsüber Zucker (durch Photosynthese), verbraucht ihn aber nicht (kein Wachstum). Der Zucker wird gespeichert — und im Gras steigt der ESC- und Stärkegehalt. Steht die Tagesmittel-Temperatur konstant über 8 °C, wächst das Gras und verbraucht den Zucker. Die ESC-Werte sinken wieder.

Darf mein EMS-Pferd morgens auf die Weide?

Nur nach einer warmen Nacht — und auch dann mit Vorsicht. „Morgens grasen sicher" gilt nur, wenn die Nachttemperatur deutlich über 5 °C lag. War es nachts kalt oder hat es gefroren, ist der ESC-Gehalt im Gras am Morgen am höchsten. Dann besser warten, bis das Gras sich aufgewärmt hat und einige Stunden Wachstum hatte — oder ganz ausfallen lassen. Mit der App bekommst du diese Entscheidung täglich serviert.

Wie lange dauert eine sichere Anweide-Phase?

Bei gesunden Pferden zwei bis drei Wochen mit langsamer Steigerung von 15 auf 60 oder mehr Minuten. Bei übergewichtigen oder stoffwechselauffälligen Pferden eher vier bis sechs Wochen — und nicht jeden Tag gleich, sondern je nach Witterung. An kritischen Tagen lieber pausieren, dafür an günstigen Tagen normal weiterführen.

Was ist ESC im Heu?

ESC steht für Ethanol Soluble Carbohydrates — die einfachen Zucker, die mit Alkohol-Lösungsmitteln aus dem Pflanzenmaterial extrahiert werden. Im Wesentlichen sind das Saccharose, Glukose und Fruktose, also die Zucker, die im Dünndarm aufgenommen werden und Insulin auslösen. ESC + Stärke ist der entscheidende Wert auf der Heu-Analyse — nicht NSC, weil dort Fruktan mit enthalten ist.

Reicht eine Maulkorb-Lösung aus?

Maulkörbe können die Aufnahme um 50 bis 80 % reduzieren — aber sie ersetzen kein durchdachtes Weidemanagement. An einem Tag mit sehr hohem ESC im Gras kann auch eine reduzierte Menge noch zu viel sein. Maulkorb ist ein Werkzeug, kein Freifahrtschein. Die Entscheidung „heute Weide oder nicht" hängt am Stoffwechsel-Risiko und an der Witterung, nicht am Hilfsmittel.

Gibt es Herbst-Hufrehe wirklich? Die Weide ist doch abgegrast.

Ja, und der Herbst ist nach dem Frühjahr die zweithäufigste Hufrehe-Saison. Aus zwei Gründen: Erstens kehrt die typische 8-Grad-Lage zurück — kalte Nächte plus sonnige Tage lassen das Gras genauso speichern wie im März. Zweitens steigt bei Pferden mit PPID das ACTH-Hormon ab August saisonal physiologisch an. Das verschlechtert die Insulin-Empfindlichkeit zusätzlich. Wer ein PPID-Pferd hat, sollte im Herbst die Pergolid-Dosis überprüfen lassen und auf der Weide besonders vorsichtig sein. Eine niedrige Grasnarbe ist kein Schutz — kurze, gestresste Halme sind oft zuckerreicher als langes Wachstums-Gras.

Was ist mit Sommer-Trockenheit und Hitze?

Trockenstress stoppt das Wachstum genauso wirksam wie Kälte — und führt zur gleichen Zucker-Akkumulation in der Pflanze. Wenn die Weide nach Wochen ohne Regen ausgedörrt aussieht, ist sie nicht „abgegrast", sondern gestresst. Die Halme können dann hohe ESC- und Stärkewerte tragen. Bei längeren Hitze- und Trockenperioden also genauso aufpassen wie im Frühjahr. Wenn möglich, Heu zufüttern und Weidezeiten reduzieren, bis das Gras nach Regen wieder wachsen kann.

Wissenschaftliche Basis Quellen und weiterführende Studien

Alle zitierten Studien mit DOI und PubMed-Link anzeigen
  1. Asplin KE, Sillence MN, Pollitt CC, McGowan CM. Induction of laminitis by prolonged hyperinsulinaemia in clinically normal ponies. Vet J. 2007;174(3):530-535. DOI 10.1016/j.tvjl.2007.07.003 · PMID 17719811
  2. de Laat MA, McGowan CM, Sillence MN, Pollitt CC. Equine laminitis: induced by 48 h hyperinsulinaemia in Standardbred horses. Equine Vet J. 2010;42(2):129-135. DOI 10.2746/042516409X475779 · PMID 20156248
  3. Gauff F, Patan-Zugaj B, Licka TF. Hyperinsulinaemia increases vascular resistance and endothelin-1 expression in the equine digit. Equine Vet J. 2013;45(5):613-618. DOI 10.1111/evj.12040 · PMID 23489109
  4. van Eps AW, Pollitt CC. Equine laminitis induced with oligofructose. Equine Vet J. 2006;38(3):203-208. DOI 10.2746/042516406776866327 · PMID 16706272 · Hinweis: experimentell mit Magensonden-Bolus, nicht direkt auf reale Weide-Bedingungen übertragbar
  5. Karikoski NP, Horn I, McGowan TW, McGowan CM. The prevalence of endocrinopathic laminitis among horses presented for laminitis at a first-opinion/referral equine hospital. Domest Anim Endocrinol. 2011;41(3):111-117. DOI 10.1016/j.domaniend.2011.05.004 · PMID 21696910
  6. Longland AC, Byrd BM. Pasture nonstructural carbohydrates and equine laminitis. J Nutr. 2006;136(7 Suppl):2099S-2102S. DOI 10.1093/jn/136.7.2099S
  7. Geor RJ. Pasture-associated laminitis. Vet Clin North Am Equine Pract. 2009;25(1):39-50. DOI 10.1016/j.cveq.2009.01.004
  8. Pollitt CC, Visser MB. Carbohydrate alimentary overload laminitis. Vet Clin North Am Equine Pract. 2010;26(1):65-78. DOI 10.1016/j.cveq.2010.01.006
  9. Gustafson KM. Forage Analysis: How and Why. Proceedings of the ECIR Group NO Laminitis! Conference 2015, Austin, TX, USA. ecirhorse.org · Konferenz-Material, kein peer-reviewed Artikel

Dieser Artikel ist ein redaktioneller Überblick und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei akuten Lahmheiten, Fühligkeit oder Verdacht auf Hufrehe bitte sofort den Tierarzt rufen.

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